Koptische Kalkstein-Grabstele mit einem Knaben in einem Ouroboros

Kulturraum: Ägyptisch
Periode: 5.-7. Jahrhundert n. Chr.
Material: Kalkstein
Dimensionen: 58,8 cm x 37 cm
Preis: 24.000 Euro
Ref: 1557
Provenienz: Aus der Sammlung Olga und Vincent Diniacopoulos, erworben zwischen 1910 und 1932 in Ägypten. 1951 nach Kanada gebracht. Am 7. November 2001 versteigert bei Fragments of Time, Los 73.
Erhaltung: Gebrochen und aus zwei Teilen professionell wieder zusammengesetzt.
Beschreibung: Große koptische Kalksteinstele, die einen Knaben mit erhobenen Armen in einem Ouroboros zeigt. Das Bildsymbol der Schlange, die sich selbst verzehrt, steht für die geschlossene, sich wiederholende Wandlung der Materie, kurz die Ewigkeit. Der Knabe hat die Arme angehoben, in seiner rechten Hand hält er einen dreieckigen Gegenstand, vielleicht ein Instrument. Mit seiner linken hält er den Schlangen- oder Drachenkopf auf Distanz. Er erinnert in dieser Haltung an den ägyptischen Zwergengott Bes, der als Bezwinger der gefährlichen Wüstentiere galt und als Schutzgott vor diesen auftrat. Unter der Figur schwimmt eine Barke auf Wellen, die den Knaben trägt. Sie steht für die Überfuhr in die andere Welt. Im oberen linken Eck sind architektonische Details zu erkennen, darunter eine spiralförmige Säule wie sie für die Spätantike typisch ist. Rechts sind Schriftzeichen, die vielleicht den Namen des Verstorbenen nennen. Interessant an dieser großen Säule aus der koptischen Zeit Ägyptens sind die zahlreichen Anklänge an die altägyptische, vorchristliche Religion wie die Neuinterpretation des Schutzgottes Bes oder die Nilüberquerung. Die Haltung des Knaben und sein Stand auf dem Schlangenkörper erinnert auch an die bekannten Horus-Stelen, die fast ein Jahrtausend vor dieser Stele aufkamen. Sie zeigen das vermeintlich schwache Horuskind wie es die Kräfte des Bösen in ihre Schranken weist. Damit zeigt diese „magische Stele“ sehr deutlich, dass die Ankunft des Christentums in Ägypten keine plötzliche Bekehrung aller Menschen bedeutete und die alten religiösen Überzeugungen aufgegeben wurden. Vielmehr existierten christliche und heidnische Bräuche lange Zeit nebeneinander und vermischten sich sogar. Gesockelt.