Aramäische „Beschwörungsschale“ mit der Dämonin Lilith und Pferd
Kulturraum: Mesopotamien
Periode: 6. Jahrhundert n. Chr.
Material: Terrakotta
Dimensionen: Durchmesser 17,2 cm
Preis: 3.200 Euro
Ref: 6666
Provenienz: Französische Privatsammlung, erworben im Archeological Center in Tel Aviv Anfang der 2000er Jahre. Zuletzt im französischen Kunsthandel.
Erhaltung: Intakt
Beschreibung: Tiefe, halbkugelförmige Schale auf rundem Standring aus hellem Ton, die zu den mesopotamischen Beschwörungs- oder Zauberschalen zählt. Diese erfreuten sich vor allem im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. großer Beliebtheit, um Dämonen aus dem eigenen Haushalt zu vertreiben oder davon fernzuhalten. Die Schale ist auf der Innenseite mit schwarzer Tinte bemalt und beschrieben. Sie zeigt die Dämonin Lilith mit aufgestellten Haaren und weit zur Seite gestreckten Armen mit krallenförmigen Händen, die für ihre Hilflosigkeit stehen. Sie ist bewegungsunfähig, starrt den Betrachter an und ist im sie umgebenden Text gefangen. Das wild aufzäumende Pferd an ihrer rechten Seite ist das Zeichen für die Vertreibung, mit dem die Dämonin möglichst schnell das Haus verlassen soll. Der Text setzt unter dem Rand an und läuft spiralförmig in sechs Zeilen zur Schalenmitte. Es handelt sich um eine sogenannte „Pseudoinschrift“, die das Aramäische imitiert, aber keinen Sinn ergibt. Es ging den wohl analphabetischen Besitzern auch weniger um lesbaren Inhalt, als vielmehr darum, Dämonen durch den spiralförmigen Verlauf des Textes schwindelig zu machen und im Schaleninneren zu fangen. Aus diesem Grund wurden diese Schalen verkehrt herum in Hauseingängen vergraben, um den bösen Geistern keine Möglichkeit zu geben zu entweichen. Der Scheintext hatte aber noch einen weiteren Vorteil: Die Schale konnte so an Gläubige sämtlicher Religionsgruppen, ob Juden, Christen, Manichäer, Mandäer oder Anhänger altbabylonischer Glaubenrichtungen, die allesamt zu dieser Zeit in Mesopotamien lebten, verkauft werden. Vergleiche zum Typus mit Pseudo-Inschrift die Schalen im Metropolitan Museum of Art mit der Objektnummer 86.11.260 sowie im British Museum mit den Museums-Nummern 91747 und 103363.




